Karten

Die folgenden drei Karten bieten Informationen zu alpinen Freiräumen in Österreich.

Alpine Freiräume

Wo liegen in Österreich heute noch weitgehend unerschlossene und naturbelassene Landschaftsräume?

Schutzstatus

Wo sind alpine Freiräume heute noch nicht ausreichend vor Verbauung geschützt?

Bedrohungen

Wo sind alpine Freiräume aktuell durch Bauprojekte bedroht?

BezeichnungBeschreibung
Wasserkraftwerk Argenbach Au

In der Gemeinde Au ist der Bau eines Laufkraftwerks am Argenbach oberhalb der Argenbachschlucht geplant. Die Wasserfassung des Kleinwasserkraftwerks mit einer Engpassleistung von 6 Megawatt würde unterhalb des Äfintobels in einem noch naturbelassenen Bereich liegen. Anschließend würde das Wasser mit einem aufwändigen Druckstollen zum Krafthaus geleitet. Für das Projekt ist keine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig und die Genehmigungen für den Bau bereits erteilt.

Neubau der Stromleitung (400kV) Lienz - Soverzene

Eine bestehende 220-kV Stromleitung von Lienz nach Norditalien, die über Karnischen Hauptkamm und Gailtaler Alpen führt, soll durch den Neubau einer 380 kV-Stromleitung ersetzt werden. Die neue Stromleitung gilt als Projekt von gemeinschaftlicher Bedeutung im Rahmen der europäischen Energieinfrastruktur-Verordnung. Beim Neubau soll teilweise eine neue Trasse angelegt werden, wodurch heute noch naturbelassene Bereiche in beiden Gebirgsketten beeinträchtigt werden könnten.

Ausbau der italienischen A27 (Alemagna) Autobahn

Seit Jahrzehnten kursieren vor allem auf italienischer Seite Pläne, Venedig und den norditalienischen Raum durch die „Alemagna“-Autobahn alpenquerend mit Süddeutschland zu verbinden. Für eine Verlängerung der bestehenden Straße von Belluno Richtung Norden wurden in der Vergangenheit bereits mehrere Trassenvarianten ins Spiel gebracht. Die jüngsten sehen eine Verbindung über das Winklertal oder einen acht Kilometer langen Tunnel durch Großen Kinigat und über das Erschbaumertal vor. Der Bau einer solchen neuen Alpen-Transitroute würde nicht nur naturbelassene Gebiete in den Karnischen Alpen massiv betreffen, sondern durch den steigenden Transitverkehr weitreichende negative Auswirkungen auf Umwelt und Lebensqualität in den betroffenen Regionen mit sich bringen. Zudem verbietet das Verkehrsprotokoll der Alpenkonvention den Bau neuer alpenquerender Straßenverbindungen.

Schigebietserweiterung Mölltaler Gletscher - Kleinfragant

Bereits in den Jahren 2014 und 2015 wurden Pläne vorangetrieben, das Schigebiet Mölltaler Gletscher in der Nationalparkregion Hohe Tauern zu erweitern. Dabei soll eine Talabfahrt vom Mölltaler Gletscher mitten durch die beiden Naturschutzgebiete Kleinfragant und Wurten West in Kärnten gebaut werden. Diese Pläne wurden 2018 neuerlich aufgebracht.

Die Kleinfragant ist ein einzigartiges Hochtal und zählt durch seinen Artenreichtum zu den wertvollsten Gebieten der Zentralalpen. Durch das Bauprojekt würde das ursprüngliche Naturgebiet weitreichend zerstört. Die Erschließungspläne verstoßen jedenfalls gegen nationales und internationales Recht, da zur Realisierung die beiden Naturschutzgebiete aufgehoben werden müssten.

Speicherkraftwerk Kühtai II

In den Stubaier Alpen ist der Bau des Pumpspeicherkraftwerks Kühtai 2 geplant. Das Bauprojekt sieht unter anderem einen neuen Speichersee mit 31 Mio. m³ vor, zusätzliches Wasser muss aus dem mittleren Ötztal und dem hinteren Stubaital durch Stollen zugeführt werden. Die neuen Anlagen würden auf über 2.000 Meter Meereshöhe liegen.

Mit dem riesigen Bauprojekt sind erhebliche Eingriffen in die Natur verbunden und zahlreiche besonders schutzwürdige Lebens- und Landschaftsräume würden massiv beeinträchtigt. Teilweise liegen diese sogar in einem geschützten Gebiet, dem Ruhegebiet Stubaier Alpen. Jahrelange Lärmbelastung und Hubschrauberflüge beim Bau des Kraftwerks wurden in dem Ruhegebiet überhaupt erst möglich, weil die strengen Bestimmungen zu Ruhegebieten im Tiroler Naturschutzgesetz entsprechend abgeändert wurden.

Das seit 2010 laufende Umweltverträglichkeitsverfahren wurde vor wenigen Wochen letztinstanzlich bewilligt. Wenn das Kraftwerk Kühtai II nun gebaut wird, wäre im gesamten Ruhegebiet Stubaier Alpen nur noch ein einziger größerer Bach mit natürlichem Abfluss vorhanden.

Wasserkraftwerk Kaunertal

Mit dem Ausbau des Kraftwerks Kaunertal sollen vier ökologisch intakte Wildflüsse durch einen etwa 25 Kilometer langen unterirdischen Tunnel in den Gepatschstausee umgeleitet werden. Das Platzertal, ein einzigartiges und fast unberührtes Hochtal mit alpinen Moorlandschaften und natürlichen Gewässerabschnitten, soll dabei durch den Bau eines 120 Meter hohen und 450 Meter breiten Staudamms in einem Speichersee für immer verloren gehen. Das Projekt befindet sich seit 2012 in einem UVP-Verfahren und wird aktuell von den Betreibern wieder vorangetrieben.

Schigebietserweiterung/ -zusammenschluss Pitztal - Ötztal

Die Gletscherschigebiete im Pitztal und Ötztal wollen sich zusammenschließen, um sich zukünftig größtes zusammenhängendes Gletscherschigebiet nennen zu können. Zu diesem Zweck sollen neue Schipisten im Ausmaß von 64 Hektar, über 3 Kilometer Verkehrswege, eine Bergstation inklusive Restaurant, ein Schitunnel, zwei Seilbahnen sowie eine Beschneiungsanlage mit Speicherteich gebaut werden. Und all diese großtechnischen Infrastrukturen würden sensibelste Hochgebirgsnatur und Gletscherflächen tiefgreifend verändern. Durch die immensen Eingriffe würden hochwertigste natürliche Lebensräume verloren gehen, die allein schon aufgrund der Höhenlage nie wieder ausgeglichen werden könnten.

Das Projekt befindet sich seit 2016 in einem Umweltverträglichkeitsverfahren, das womöglich noch dieses Jahr entschieden werden könnte.

Wasserkraftwerk Tauernbach-Gruben

Das Tauerntal ist bis auf die Talflanken bereits stark durch Infrastruktur wie Felbertauernstraße, Stromleitung oder Transalpine Ölleitung geprägt. Nun soll auch noch das Ausleitungskraftwerk Tauernbach-Gruben hinzukommen. Der Bau eines 2 km langen Druckstollens und einer 6 km langen Druckrohrleitung würde auch noch die naturbelassenen Hangbereiche des Tauerntals in Mitleidenschaft ziehen und zudem durch Wildbachstriche und Lawinengebiete führen. Das Bauprojekt befindet sich seit 2013 in einem Umweltverträglichkeitsverfahren.

Wasserkraftwerk Obere Isel

In den Gemeinden Prägraten und Virgen in Osttirol wird ein Ausleitungskraftwerk an der oberen Isel geplant. Das Projekt sieht den Bau eines Tagespeichers mit 120.000 m³ Fassungsvermögen vor. Das Wasser der Isel, Tirols einziger Nationalparkfluss und noch besonders naturbelassen, würde von hier durch einen fast 15 km langen Stollen ausgeleitet werden. 2014 wurde für das Kraftwerk ein Umweltverträglichkeitsverfahren begonnen, welches seit 2015 ruhend gestellt ist.

Schigebietserweiterung See – Zusammenschluss Serfaus - See

Das Schigebiet See plant den Medrigkopf zu erschließen, einen noch unversehrten hochalpinen Gipfelbereich, der außerhalb der festgelegten Schigebietsgrenzen liegt. Eine neue Seilbahn samt Tal- und Bergstation, eine Skipiste, Schi- und Bauwege, Beschneiungsanlagen und ein Lawinenablenkdamm würden diesen sensiblen Naturraum tiefgreifend verändern. Denn ein gesamter Felsgipfel soll abgetragen und Berggrate über eine Länge von 150 Metern gekappt, aufgeschüttet und zu Schipisten umgebaut werden. Trotz dieser extremen Eingriffe muss für dieses Bauprojekt keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden.

Womöglich ist dies nur der Beginn noch größerer Bautätigkeiten in den hier verbliebenen alpinen Freiräumen. Denn das Schigebiet See strebt einen Zusammenschluss mit dem Schigebiet Serfaus-Fiss-Ladis an. Von einer Realisierung wäre die Kübelgrube betroffen, eine heute noch sehr naturbelassene und nur gering erschlossene Geländekammer. Der Bau großtechnischer Infrastruktur würde hier nicht nur intakte Natur und die wunderschöne alpine Landschaft unwiederbringlich beeinträchtigen. Es würde auch ein sehr beliebtes Wander- und Erholungsgebiet an den Massentourismus verloren gehen.

Schigebietsverbindung Kappl - Ischgl

Die zahlreichen Zusammenschlüsse von Schigebieten könnten schlussendlich zur Realisierung von Mega-Schigebieten in Österreich führen. Der Massentourismus in solch riesigen Schigebieten kann enorme Zerschneidungseffekte auf die Lebensräume der alpinen Tierwelt haben.So wurde bereits die Idee eines gigantischen Schigebiets von Samnaun über Ischgl, Kappl, St. Anton bis Zürs, Lech und Warth kommuniziert. Dafür wären neue großtechnische Erschließungen zwischen den Schigebieten Kappl und Ischgl notwendig. Doch genau hier befinden sich heute noch naturbelassene Freiräume, die durch ein solches Projekt zwangsläufig zerstört werden würden.

Schigebietsverbindung Kappl - St. Anton

Die Schigebiete Kappl im Paznauntal und St. Anton am Arlberg planen schon länger einen Zusammenschluss. Das Bauprojekt sieht zwei neue Seilbahnen und drei neue Pistenanlagen vor. Diese sollen im hinteren Malfontal gebaut werden, das bislang nicht erschlossen und naturbelassen ist. Dadurch würde der bisherige Charakter der Region vollkommen verändert und wertvolle ursprüngliche Natur- und Lebensräume verloren gehen. Selbst aus Sicht von Tourismus und Regionalwirtschaft ist das geplante Bauvorhaben weder notwendig noch attraktiv, da Angebote und Potenziale für naturnahen Sommertourismus in der Region dauerhaft zerstört würden. Das Bauprojekt liegt außerhalb der festgelegten Schigebietsgrenzen und befindet sich seit 2014 in einem Umweltverträglichkeitsverfahren.

Schigebietszusammenschluss Sillian - Sexten

Ein Zusammenschluss der Schigebiete im Südtiroler Sexten und im Osttiroler Sillian steht schon seit längerem im Raum. Das Erschließungsprojekt soll über den Karnischen Hauptkamm und teilweise entlang des Karnischen Höhenweges erfolgen. Neben der Bebauung mit Seilbahnen und Schipisten wären massive Eingriffe zum Schutz vor Naturgefahren notwendig, weil hier sensible geologische Verhältnisse und hohe Lawinengefahr vorliegen.

Das Bauprojekt könnte nicht nur die vorhandenen Lebensräume von Auerhuhn, Alpenschneehuhn und Haselhuhn beeinträchtigen und zerschneiden, das Natur- und Wanderparadies Karnischer Höhenweg wäre durch die Eingriffe in die Landschaft und verstärkten Massentourismus gefährdet.

Schigebietszusammenschluss Obertauern - Zauchensee

Der stetige Ausbau des technischen Wintertourismus ist in den Niederen Tauern eine wiederkehrende Bedrohung für alpine Freiräume. So wird schon seit Jahren ein Zusammenschluss der Schigebiete Obertauern und Altenmarkt-Zauchensee forciert. In Diskussion sind dabei mehrere neue Seilbahnen über die Gnadenalm und Gottschallalm, wodurch noch relativ naturbelassene Bereiche in Mitleidenschaft gezogen würden.

Wasserkraftwerk Haslach am Kalserbach

In Kals am Großglockner soll das Gemeindekraftwerk Haslach am Kalserbach errichtet werden. Der Kraftwerksbau mit einer Druckrohrleitung von mehr als 3 km Länge würde sensible und ökologisch wertvolle Gewässerabschnitte des Kalserbachs betreffen. Aufgrund des guten Gewässerzustands und des Vorkommens der Deutschen Tamariske verlangt die Europäische Kommission allerdings die Ausweisung als Natura 2000-Gebiet. In einem Feststellungsverfahren 2011 wurde entschieden, dass das Projekt keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen muss.

Wasserkraftwerk Malfontal

Bei Pettneu am Arlberg soll ein Pumpspeicherkraftwerk im Malfontal mit einer 14 Mio m³ fassenden Speicheranlage gebaut werden. Neben den enormen Eingriffen in Natur und Umwelt werden bei dem Projekt auch Beeinträchtigungen der Trinkwasserversorgung durch die Ableitung mehrerer Bäche befürchtet. Das riesige Bauprojekt müsste jedenfalls auf seine Umweltverträglichkeit geprüft werden, ist aber derzeit vom Betreiber zurückgestellt.

Wasserkraftwerk Meng

Im Unterlauf der Meng im Gamperdonatal (Nenzing) ist der Bau des Wasserkraftwerks Meng geplant. Das Ausleitungskraftwerk würde durch die hohe Wasserentnahme die hier vorhandenen natürlichen und intakten Fließgewässerabschnitte nachhaltig beeinträchtigen, die noch gute und teils sehr gute ökologische und hydromorphologische Zustände aufweisen. Eine Realisierung des Kraftwerks widerspricht daher mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dem Verschlechterungsverbot der EU-Wasserrahmen-Richtlinie. Das 50 Mio. € teure Projektvorhaben muss nicht auf seine Umweltverträglichkeit geprüft werden, da es aber gar nicht wirtschaftlich wäre, ist es zurzeit zurückgestellt.

Schigebietszusammenschluss Kaunertal - Langtaufers (Südtirol)

Langtaufers in Südtirol und das Gletscherschigebiet Kaunertal sollen aufwändig zusammengeschlossen werden. Das Projekt sieht bislang zwei neue Kabinenbahnen über eine Länge von 4.500 Metern, den Bau eines Speicherbeckens, Beschneiungsanlagen, Lawinenschutzbauten und einen Parkplatz für 400 Fahrzeuge vor. Das idyllische und bislang nur gering erschlossene Melagtal wäre davon besonders betroffen und würde vollkommen verändert.

Der Landesumweltbeirat in Südtirol hat dem Vorhaben ein negatives Umweltgutachten ausgestellt, aufgrund schwerwiegender Eingriffe in Landschaft und Wasserhaushalt, der möglichen Zerstörung von Lebensräumen gefährdeter Arten und erhöhtem Verkehrsaufkommen. Im Dezember 2017 lehnte die Südtiroler Landesregierung die geplante grenzüberschreitende Schiverbindung in einem Landtagsbeschluss ab. Auf Druck der Projektbetreiber wurde im Februar 2018 aber ein Verfahren zur Aufhebung dieses negativen Regierungsbeschlusses eingeleitet. Auf österreichischer Seite wartet man mit dem Bau von Liften noch, auf die Entscheidungen in Südtirol.

Das Institut für Soziale Ökologie hat im Rahmen einer Landschaftsanalyse die Natur- und Landschaftsräume in Österreich, die noch besonders ursprünglich und naturbelassen, also nicht bzw. im Österreichvergleich am wenigsten bebaut und verändert sind, ermittelt. Dazu wurde über das gesamte Bundesgebiet ein Raster gelegt und für jeden Rasterpunkt ein Naturnähewert aus zwei Faktoren ermittelt: der Landbedeckung bzw. -nutzung (Gebäude, Straße, Wald, Grünland etc.) sowie der Entfernung zu bestehenden Infrastrukturen (Siedlungsflächen, Verkehrswege, Kraftwerke etc.). Die Abgrenzung der besonders ursprünglichen und naturbelassenen Landschaftsräume erfolgte über den österreichweiten Vergleich der Naturnähewerte aller Rasterpunkte.

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